Grenzsteine der belgischen Exklaven der Vennbahn, von der Grenze von der Bundesrepublik Deutschland und dem Königreich Belgien

Die Vennbahn ist eine Eisenbahnstrecke zwischen Aachen bzw. Stolberg und Luxemburg über Monschau und St. Vith mit Anschlüssen nach Eupen und Malmedy. Durch die Grenzziehung nach dem 1. Weltkrieg wechselt sie mehrfach von deutschem auf belgisches Staatsgebiet und zurück.
Ursprünglich verband die Vennbahn die Industriezentren von Aachen-Rothe Erde auf dem kürzesten Wege mit Luxemburg. Heute findet nur noch auf dem Abschnitt Stolberg Hauptbahnhof–Stolberg-Altstadt (früher Stolberg-Hammer) Personenverkehr mit Triebwagen der Euregiobahn statt.

Geschichte

Der Gesamtbetrieb wurde am 4. November 1889 von der Preußischen Staatsbahn zunächst eingleisig aufgenommen und diente in erster Linie dem Transport von Kohle und Eisenerz. Weiterhin erschloss die Strecke die strukturschwachen Wirtschaftsräume von Westeifel und Hohem Venn, indem sie den dort lebenden Menschen eine Reisemöglichkeit zu den Arbeitsplätzen in der Aachener Industrie bot. In den folgenden Jahren wurde sie fast vollständig auf zwei Gleise erweitert, was in erster Linie mit den engen Kurven mit Radien ab 300 m und den häufigen Steigungen von bis zu 1,7 % zusammenhing.
Im Ersten Weltkrieg erwuchs der Vennbahn durch ihre Nähe zur Westfront und über den Schlieffenplan eine weitere Bedeutung als Aufmarsch- und Nachschubstrecke. Ab dem 2. August 1914 wurden entlang der Strecke die Truppen für den Handstreich auf den Festungsring Lüttich ausgeladen. Später wurden weitere von ihr ausgehende Eisenbahnstrecken erbaut, so dass die Vennbahn die Kernlinie eines ganzen Netzes von strategischen Bahnen darstellte.

Zug auf dem Bütgenbacher Viadukt
Aufgrund des Versailler Vertrags musste das Deutsche Reich die seit 1815 preußischen Kreise Eupen, Malmedy und St. Vith an Belgien abtreten. Die Strecke wechselte durch die neue Grenzziehung in ihrem Verlauf nun mehrfach zwischen dem deutschen Reichsgebiet und Belgien. Belgien forderte die Vennbahn unter belgische Verwaltung zu stellen, da diese für die Städte Malmedy und Eupen von besonderer wirtschaftlicher Bedeutung sei und konnte sich durchsetzen. Am 27. März 1920 wurde durch eine Grenzfeststellungskommission, der Vertreter Frankreichs, Englands, Italiens und Japans angehörten, festgelegt, dass Eigentümer der gesamten Eisenbahnstrecke mitsamt ihren Bahnhöfen, auch zwischen Raeren und Kalterherberg, der belgische Staat sein sollte. Ab Raeren wurde die Bahnstrecke belgisches Hoheitsgebiet. Den Betrieb auf der Vennbahn führt somit seit dem 1. November 1921 die belgische Staatsbahn NMBS/SNCB. Ein Kuriosum sind fünf deutsche Exklaven, die bei Roetgen und Monschau entstanden sind, da die Eisenbahntrasse belgisches Hoheitsgebiet ist. Allerdings war und ist das Bahngelände ohne belgische Zoll- oder Polizeikontrolle zugänglich.
Das ursprüngliche hohe Verkehrsaufkommen ging nach dem Krieg zurück, da im Zusammenhang mit der Weltwirtschaftskrise vor allem Luxemburg seine Märkte für sein Eisenerz in Richtung Frankreich verlagerte. Hinzu kam der neu eingeführte Zoll, der die luxemburgischen Erze im Deutschen Reich verteuerte. Ab dem 1. Januar 1932 fuhren keine Kokstransporte mehr auf der Strecke.
Im Zweiten Weltkrieg wurde die Vennbahn während der Ardennenoffensive Kriegsschauplatz. Dabei wurden viele Brücken und Tunnel zerstört. Der Wiederaufbau zog sich lange hin, zwischen Lommersweiler und Burg Reuland unterblieb er aufgrund des Umfangs der Zerstörungen ganz. Das nördliche Reststück konnte daher trotz der sich anbahnenden europäischen Einigung nicht weiter für seinen ursprünglichen Zweck genutzt werden und wurde nach und nach ebenfalls stillgelegt. Die letzten Güterzüge bedienten den belgischen Bahnhof Sourbrodt mit militärischem Material für den nahe gelegenen Truppenübungsplatz Elsenborn. Nach der Gesamtstilllegung der Strecke wurde der Versuch unternommen, die landschaftlich reizvolle Vennbahn als Museumsbahn für den Tourismus zu verwenden. Nach zwölf Jahren musste Ende 2001 auch diese Form der Nutzung eingestellt werden.

Heutige Nutzung

Vennbahnradweg in Kornelimünster
Im Dezember 2007 wurde damit begonnen, die Gleise bis etwa Kalterherberg abzubauen. Eine Wiederaufnahme des Betriebes für den Schienenverkehr zwischen Deutschland und Belgien wäre nur nach einer umfangreichen Sanierung möglich gewesen. Mittelfristig soll über der gesamten Vennbahntrasse ein Radweg gebaut werden. Die Gelder sind teilweise zugesagt.
Heute findet nur auf einem kleinen Abschnitt Personenverkehr mit Triebwagen der euregiobahn statt. Dazu wurde im Juni 2001 der Streckenabschnitt Stolberg (Rheinl.) Hbf–Stolberg-Altstadt für den Personenverkehr reaktiviert. Die Haltepunkte Stolberg-Altstadt (bis 2001 -Hammer), Stolberg-Rathaus, Stolberg-Mühlener Bf und Stolberg-Schneidmühle entstanden neu. Des weiteren ist die Strecke nach Eupen noch benutzbar und wird teilweise noch für Sonderfahrten der euregiobahn benutzt.
Auf dem Abschnitt vom Bahnhof Aachen-Rothe Erde in Aachen bis zum Ortsteil Kornelimünster liegen keine Schienen mehr, die Trasse dient heute als Radwanderweg, der seit Sommer 2005 entlang der ungenutzten Schienen bis zum Freizeitgelände in Walheim fortgesetzt ist. Auf der Teilstrecke von Kornelimünster bis kurz hinter die Autobahn in Aachen-Brand ist ein sechs Kilometer langer Planetenlehrpfad in Planung.
Zwischen den Bahnhöfen von Kalterherberg und Sourbrodt wurde von einem belgischen Unternehmer im Jahr 2004 ein Verkehr mit Fahrraddraisinen unter der Bezeichnung RailBike errichtet, derzeit überlegt man, das Angebot auch auf die Strecke Monschau–Kalterherberg auszuweiten.

Abbau der Trasse und Folgen für die Grenze

Im Januar 2008 verkündete der belgische Regierungskommissar Marcel Lejoy, dass der geplante Abbau der Schienen „internationale Konsequenzen“ nach sich ziehen könnte. Es sei nicht ausgeschlossen, dass die Gebiete an Deutschland zurückzugeben seien. Jedoch erklärten sowohl das belgische Außenministerium als auch das Auswärtige Amt in Deutschland, dass die Grenzen abschließend vertraglich geregelt seien und somit keine Änderung stattfinden werde. Der deutsch-belgische Grenzvertrag von 1956, auf den sich das Auswärtige Amt beruft, enthält aber keinen Hinweis, was geschehen soll, wenn die im Vertrag erwähnten Bahnanlagen nicht mehr existieren. Die Option auf den Bahnverkehr ist zudem nicht aufgegeben worden, der geplante Radweg verhindert das nicht.

Karte Vennbahn

Karten 1920-1922 von der Vennbahn

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1. Internationale Grenzsteinwanderung zu den belgischen Exklaven der belgischen Venn-Bahn

Mit insgesamt 5 Teilnehmern aus Belgien, Deutschland und den Niederlanden, fand am Samstag, den 15.03.2008 die 1. Tour der Wanderung auf der Trasse der belgischen Venn-Bahn statt. Der Start war in Rötgen am Grenzstein 887 F - erste Kreuzung der Venn-Bahn - mit der Bundesstrasse B 258.
Von dort ging es erst westwärts bis zur belgischen Grenze, den Grenzsteinen Nr. 899 & Nr. 900. Dann wieder zurück bis zum Ausgangspunkt.
Am fehlenden Grenzstein 887 F (B 258) ging es weiter über den Bahnhof Roetgen, bis Grenzstein 769 D in Richtung Bahnhof Lammersdorf.
Der Bahnhof Lammersdorf wird der Startpunkt für die zweite Tour im April sein.

1. Tour : mit Eberhard, Harry, Jos, Peter & Jannis

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1. Tour der Vennbahn-Wanderung am 15.03.2008

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Grenzsteine Vennbahn D-B Nr. 900-769 D

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2. Internationale Grenzsteinwanderung zu den belgischen Exklaven der belgischen Venn-Bahn

Mit insgesamt 6 Teilnehmern aus Belgien, Deutschland und den Niederlanden, fand am Sonntag, den 30.12.2008 die 2. Tour der Wanderung auf der Trasse der belgischen Venn-Bahn statt.

Der 1. Start war in Lammersdorf am Grenzstein 788 - den wir bei der 1. Tour nicht gefunden hatten.
Der Bahnhof Lammersdorf war der 2. Startpunkt an den Grenzsteinen 769 C & 770 C.

Von dort ging es südwärts bis den Grenzsteinen 674 G & 675 F nähe der Ortschaft Weilersbroich (Mützenich) in Richtung Kalterherberg.

Die dritte Tour wird voraussichtlich im März 2009 sein.

2. Tour: Peter, Harry, Eberhard, Rob, Jos & Jannis

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2. Tour der Vennbahn-Wanderung am 3012.2008

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Exklave Rückschlag-Konzen Nr. 756, 757, 758 & 759

Grenzsteine Vennbahn D-B Nr. 769 C - 675 F

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3. Internationale Grenzsteinwanderung zu den belgischen Exklaven der belgischen Venn-Bahn

Mit insgesamt 5 Teilnehmern aus Belgien, Deutschland und den Niederlanden, fand am Sonntag, den 22.03.2009 die 3. Tour der Wanderung auf der Trasse der belgischen Venn-Bahn statt.

Der 1. Start war an den Grenzsteinen 674 F & 675 E in nähe der Ortschaft Weilersbroich (Mützenich) in Richtung Süden nach dem Bahnhof Kalterherberg (D) / Küchelscheid (B) am ehemaligen Grenzstein 656 A (nicht mehr vorhanden)

Der 2. Start war am Bahnhof Kalterherberg (D) / Küchelscheid (B) an den beiden Grenzsteinen Nr. 658 (B) bzw. Nr. 658 (D) am Fluss Rur, dem Beginn der deutschen Exklave Ruitzhof. Wir wanderten in nördlicher Richtung zur Vennbahn, bis zum letzten Grenzstein Nr. 673

Die vierte Tour zur deutschen Exklave Hemmeres wird voraussichtlich im April 2009 sein.

Teilnehmer 3. Vennbahnwanderung

Teilnehmer: Jannis, Eberhard, Peter, Harry & Jos

Teilnehmer 3. Vennbahnwanderung

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Exklave Ruitzhof

Grenzsteine Vennbahn & Ruitzhof

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Hemmeres Exklave


Grenzsteine der deutschen Exklave Hemmeres
Die Bahn blieb belgisch
Im Zuge des Versailler Vertrages (1919), als die Gebiete von Eupen, Malmedy und St.Vith zu Belgien kamen, wurde die 1,134 km lange Bahnlinie durch den deutsch gebliebenen Ort Hemmeres zu belgischem Territorium: Von der Ourbrücke, die im Anschluss an den Tunnel von Hemmeres den Grenzfluss überspannte bis Auel verlief die Eisenbahn durch deutsches Gebiet und bildete eine Enklave. Die Belgier hätten gern den von der Bahnlinie abgetrennten Teil des Dorfes in ihr Staatsgebiet einverleibt, doch scheiterte dies am Einspruch der Einwohner. Der Bahnkörper mit einem Streifen von 5 m wurde belgisches Hoheitsgebiet - genau wie das Bahnwärterhäuschen in der Ortsmitte, das von einem belgischen Beamten bewohnt wurde. Einige Felder lagen nun in belgischem Gebiet und die Einwohner mussten einige Kontrollen über sich ergehen lassen, um ihre Ernte einzufahren. Solche Erntefahrten mussten von der Zollstelle in Steinebrück genehmigt werden. Der Personenverkehr verlief reibungsloser, denn mit Hilfe eines grünen Ausweises konnte man einfacher passieren. Dennoch hat die Grenze das Zusammenleben der Menschen beeinträchtigt, denn sie zerschnitt einen bis dahin wirtschaftlich einheitlichen Raum.
Erst in der Westwallzeit kontrollierten die belgischen Zöllner strenger und seit September 1939 bis Mai 1940 war die Grenze sogar völlig dicht. Im September 1944 sprengte deutsches Militär die Bahnbrücke über die Our. Nach dem Krieg blieb die Grenze dicht und die Ländereien kamen unter belgische Sequesterverwaltung.
In den ersten Nachkriegsjahren tauchten immer wieder Gerüchte auf, denen zufolge der Ort zu Belgien kommen sollte. Im Mai 1947 stimmten die Einwohner zwar noch über die Landesverfassung von Rheinland-Pfalz ab, aber im April 1949 kam Hemmeres im Zuge der Grenzberichtigungen zu Belgien. Offizieller Grund hierfür war die Bahnlinie, die jedoch nicht mehr befahren wurde. Auf Veranlassung der Militärverwaltung legte die RWE eine neue Stromleitung, so dass Hemmeres erstmals in den Genuss des Kraftstroms kam. Bald brauchte man auch nicht mehr wie eh und je mit dem Pferdegespann durch die Our zu fahren um die Felder der anderen Seite zu erreichen, denn eine neue Brücke wurde errichtet und verbindet seitdem beide Ufer. 1954 wurden die Eisenbahnschwellen zwischen Lommersweiler und Reuland abgebaut und die Bahnstrecke wurde als Weg ausgebaut.
Eine ähnliche Situation entstand übrigens nach dem 1. Weltkrieg zwischen Raeren und Kalterherberg, wo die Vennbahn (Gleiskörper, Aufbau, Bahnbauten) belgisch wurde, wogegen das umliegende Gebiet bei Deutschland verblieb. Während die Vennbahn nach wie vor dort belgisches Hoheitsgebiet ist, ist die Bahntrasse zwischen Hemmeres und Auel wieder an Deutschland zurückgegeben worden, und zwar im Zuge der Rückgabeverhandlungen des Jahres 1956, als Hemmeres wieder an die Bundesrepublik Deutschland zurückkam.

Hemmeres